Warum Pflanzen wir Mangroven?

Warum Pflanzen wir Mangroven?

Mangroven sind weit mehr als nur Bäume, die irgendwo an tropischen Küsten stehen. Sie bilden eines der produktivsten und artenreichsten Ökosysteme der Erde und gleichzeitig eines der am stärksten bedrohten.  Mangrovenwälder wachsen in den Tropen und Subtropen dort, wo Süßwasser aus Flüssen auf salziges Meerwasser trifft, der Boden schlammig ist und die Gezeiten den Wasserstand ständig steigen und fallen lassen.  In dieser extremen Übergangszone zwischen Land und Meer übernehmen sie eine Reihe von Funktionen, ohne die viele Küstenregionen deutlich verletzlicher wären – ökologisch, wirtschaftlich und auch im Hinblick auf den Klimaschutz.


Das Besondere an Mangroven ist ihr ausgeprägtes Wurzelsystem. Die Stelz- und Atemwurzeln verankern die Bäume tief im weichen Schlickboden, fangen Sedimente ab und verlangsamen das Wasser.  Schon ein Mangrovengürtel von etwa 100 Metern Breite kann die Wellenhöhe um bis zu zwei Drittel reduzieren – selbst bei extremen Ereignissen wie Tsunamis.  Messungen zeigen, dass die Geschwindigkeit von Wellen, die durch einen Mangrovenwald laufen, auf bis zu 10 Prozent der ursprünglichen Geschwindigkeit sinken kann, weil die Wurzeln die Energie der Wellen Schritt für Schritt „herausbremsen“.  In einer globalen Studie wurde berechnet, dass ohne Mangroven rund 18 Millionen Menschen zusätzlich von Überschwemmungen bedroht wären und die jährlichen Flutschäden um etwa 82 Milliarden US‑Dollar ansteigen würden.  Mangroven sind damit eine der kostengünstigsten natürlichen Schutzmaßnahmen gegen Sturmfluten, Erosion und Meeresspiegelanstieg – und zwar nicht nur für Strände, sondern für ganze Küstenlandschaften und die Infrastruktur dahinter.


Gleichzeitig sind Mangroven echte Klimaschützer. Sie gehören zu den effizientesten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde und werden deshalb auch als „Blue Carbon“-Ökosysteme bezeichnet.  Anders als viele Landökosysteme speichern Mangroven Kohlenstoff nicht nur in ihrer oberirdischen Biomasse – also in Stämmen, Ästen und Blättern – sondern vor allem im Boden unterhalb der Bäume.  Dieser Mangrovenschlamm kann mehrere Meter mächtig sein und ist oft arm an Sauerstoff, wodurch organisches Material extrem langsam zersetzt wird.  Amerikanische Wissenschaftler haben schon 2011 gezeigt, dass im Sediment von Mangrovenwäldern im Durchschnitt über 1.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar gespeichert sind – etwa viermal so viel wie in tropischen Regenwäldern an Land.  Insgesamt wird geschätzt, dass in Mangroven weltweit zwischen rund 4 und 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden sind.


Weitere Untersuchungen im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigen, dass Küstenökosysteme wie Seegraswiesen, Mangroven und Salzmarschen zusammen jedes Jahr weltweit bis zu 216 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen können.  Mangrovenwälder selbst speichern laut dieser Auswertung in der Biomasse zwischen etwa 1.200 und 3.900 Millionen Tonnen Kohlenstoff und im Sediment zusätzlich bis zu 8.400 Millionen Tonnen.  Das macht deutlich, warum der Schutz und die Wiederherstellung von Mangroven ein zentraler Hebel im globalen Klimaschutz ist.


Wenn man den Kohlenstoffspeicher auf die Fläche herunterbricht, zeigen verschiedene Studien, wie groß der Effekt pro Hektar sein kann. Ausgehend von typischen Werten kommen Analysen auf etwa 840 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar reifen Mangrovenwaldes, was – über den Umrechnungsfaktor von Kohlenstoff zu CO₂ – rund 3.000 Tonnen CO₂ entspricht.  Andere wissenschaftliche Auswertungen geben Speicherraten von etwa 23 bis knapp 40 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr an.  Selbst konservativ gerechnet lässt sich sagen: Ein gesunder Mangrovenwald speichert über seine Lebenszeit hinweg mehrere Tausend Tonnen CO₂ pro Hektar und nimmt Jahr für Jahr relevante Mengen Treibhausgas aus der Atmosphäre auf.


Spannend wird es, wenn man von der großen Fläche auf den einzelnen Baum herunterzoomt. Aufforstungsprojekte, die speziell Mangroven pflanzen, haben den durchschnittlichen CO₂‑Effekt pro Baum untersucht. Eine häufig verwendete, wissenschaftlich hergeleitete Kenngröße liegt bei etwa 308 Kilogramm CO₂, die ein Mangrovenbaum im Laufe seines Wachstums bindet.  Das entspricht ungefähr 0,3 Tonnen CO₂ pro Baum über eine angenommene Lebensdauer von rund 25 Jahren, also etwa 12 Kilogramm CO₂ pro Jahr.  Diese Zahlen variieren je nach Standort, Pflanzdichte, Art und Pflege, geben aber eine solide Größenordnung.


Wenn bei jeder Bestellung ein Mangrovenbaum gepflanzt wird, bedeutet das: Jede einzelne Bestellung unterstützt die langfristige Bindung von ungefähr 0,3 Tonnen CO₂.  Mit zehn Bestellungen kommen so bereits etwa 3 Tonnen CO₂ zusammen, mit hundert Bestellungen etwa 30 Tonnen – immer natürlich mit der Einschränkung, dass es sich um Durchschnittswerte handelt und die tatsächliche Menge je nach Projekt leicht schwanken kann.  Trotzdem zeigt diese einfache Rechnung sehr eindrücklich, dass konkrete Aufforstungsmaßnahmen im Mangrovenbereich mehr sind als ein symbolischer Akt: Sie haben messbare Effekte auf den Kohlenstoffkreislauf.


Mangroven sind aber nicht nur Klimaspeicher und Wellenbrecher, sondern auch Hotspots der Biodiversität. In ihrem Wurzelgeflecht finden unzählige Fischarten, Krebstiere, Schnecken und andere Meerestiere Schutz, Nahrung und Orte zur Fortpflanzung, weshalb Mangroven oft als „Kinderstube des Meeres“ bezeichnet werden.  Viele Arten nutzen die Mangroven nur in einem bestimmten Lebensstadium – etwa als Jungfische, die später in offene Seegraswiesen oder Korallenriffe abwandern.  Gleichzeitig bieten Mangroven Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, Reptilien und kleinere Säugetiere, die an dieses besondere Übergangssystem angepasst sind.


Für Menschen in Küstenregionen sind Mangroven deshalb eine direkte Lebensgrundlage. Sie sichern Fischbestände, liefern Holz und andere Produkte und schützen Siedlungen, Felder und Infrastruktur vor Sturmfluten.  Viele Küstengemeinden, insbesondere im globalen Süden, leben seit Generationen im engen Zusammenspiel mit Mangroven und nutzen sie, ohne sie vollständig zu zerstören.  Wenn Mangroven gerodet werden – zum Beispiel für Aquakulturen, Landwirtschaft oder Tourismusprojekte – verlieren diese Menschen nicht nur einen Teil ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Basis, sondern setzen sich auch einem höheren Risiko durch klimabedingte Extremereignisse aus.

Hinzu kommt ein oft unterschätzter Effekt: Werden Mangroven zerstört, kann aus dem Klimaschützer ein Klimaproblem werden.  Beim Trockenlegen von Mangrovengebieten oxidiert der zuvor unter Sauerstoffabschluss gespeicherte Kohlenstoff im Boden und wird als CO₂ freigesetzt.  Studien zeigen, dass Landnutzungsänderungen in Mangroven weltweit jedes Jahr große Mengen CO₂ verursachen, wenn die kohlenstoffreichen Sedimente gestört werden.  Damit kehrt sich die positive Klimabilanz eines über Jahrzehnte gewachsenen Mangrovenwaldes in relativ kurzer Zeit ins Negative um.


Aus all diesen Gründen ist die Wiederherstellung von Mangroven nicht einfach ein „Baumprojekt“, sondern die gezielte Reparatur eines komplexen Ökosystems.  Erfolgreiche Mangrovenaufforstung bedeutet, geeignete Standorte zu wählen, die natürliche Hydrologie zu berücksichtigen, die richtigen Arten zu pflanzen und die Flächen langfristig zu schützen, statt nur einmalig Setzlinge zu setzen.  Fachgerecht geplante Projekte denken deshalb in Jahrzehnten, nicht in Monaten, und kombinieren Aufforstung mit dem Schutz noch vorhandener Mangrovenbestände.

Wenn du also mit jeder Bestellung einen Mangrovenbaum pflanzen lässt, dann passiert im Hintergrund Folgendes: In einem küstennahen Gebiet wird ein Baum in einem Ökosystem gesetzt, das Küstenlinien stabilisiert, Wellen bricht, Lebensraum für unzählige Arten schafft und über seine Lebenszeit hinweg durchschnittlich rund 300 Kilogramm CO₂ bindet.  Jede Bestellung ist damit ein kleiner Baustein in einem viel größeren System – einem System, das Menschen, Tiere und das Klima gleichzeitig schützt.